Siegfried Lowitz: Der Mann hinter Kommissar Köster

Von der Frankfurter Schauspielschule über Edgar-Wallace-Krimis bis zum Kommissar Köster in „Der Alte", ein Porträt eines der verlässlichsten Charakterdarsteller des deutschen Nachkriegsfilms.

Porträt des Schauspielers Siegfried Lowitz, fotografiert von Ingeborg Bock-Schroeder, aus dem Archiv der Sammlung Bock-Schroeder
Siegfried Lowitz, Porträtaufnahme © Sammlung Bock-Schroeder.

Siegfried Lowitz wurde am 22. September 1914 in Berlin als Siegfried Wodolowitz geboren, Sohn eines Bildhauers. Als Siebenjähriger verlor er seine Mutter, mit der er zuvor zeitweise in Amsterdam gelebt hatte. Nach ihrem Tod wuchs er bei seinem Vater in Mainz auf, wo er das Gymnasium besuchte, bevor er an der Staatlichen Schauspielschule in Frankfurt am Main seine Ausbildung abschloss.

1934 begann Lowitz seine Bühnenlaufbahn, die ihn über Mainz und Gießen bis nach Breslau führte. Im Zweiten Weltkrieg diente er als Grenadier bei der 7. Panzerdivision, wurde jedoch 1943 verwundet und aus dem Militärdienst entlassen. Nach Kriegsende startete er im Münchner Kabarett „Die Schaubude" neu durch und spielte anschließend an Theatern in Frankfurt, Konstanz und Göttingen, bevor ihn sein Weg an die Münchner Kammerspiele und das Bayerische Staatsschauspiel führte.

Vom Bühnendurchbruch zum Kino-Kommissar

Seinen entscheidenden Bühnendurchbruch feierte Siegfried Lowitz Anfang der fünfziger Jahre als Ensemblemitglied der Münchner Kammerspiele in der Rolle des Captain Queeg in der Bühnenfassung von „Die Caine war ihr Schicksal", ein Erfolg, der ihm die ersten Film- und Fernsehangebote einbrachte. Nach kleinen Anfängen, etwa 1954 in „Der Engel mit dem Flammenschwert" und einer unbenannten Nebenrolle in „Meines Vaters Pferde, 2. Teil" als Bursche des von Martin Benrath gespielten Oberleutnants Michael Godeysen, profilierte er sich rasch als verlässlicher Leinwanddarsteller.

Bereits 1956 spielte er im Lustspiel „Das Sonntagskind" an der Seite von Heinz Rühmann den Kriminalinspektor, eine Rolle, die schon auf sein späteres Fach als Ermittler vorauswies. In den fünfziger und sechziger Jahren jagte Lowitz im Film regelmäßig als Kommissar Ganoven hinterher, am bekanntesten als Inspektor Elk in mehreren Edgar-Wallace-Verfilmungen wie „Der Frosch mit der Maske", „Der Fälscher von London" und „Das schwarze Schaf", daneben auch in Produktionen wie „Die unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse" und „Der Hexer".

Die wichtigsten Stationen im Überblick

1934
Beginn der Bühnenlaufbahn

Start als Bühnenschauspieler in Mainz, Gießen und Breslau.

Frühe 1950er
Bühnendurchbruch

Als Captain Queeg an den Münchner Kammerspielen.

1959–1961
Inspektor Elk

Rolle in mehreren Edgar-Wallace-Verfilmungen.

1968
Goldene Kamera

Auszeichnung für „Der Trinker" und „Biedermann und die Brandstifter".

1977–1985
Kommissar Erwin Köster

Hauptrolle in der ZDF-Serie „Der Alte".

1999
Tod in München

Siegfried Lowitz stirbt am 27. Juni im Alter von 84 Jahren.

Der Alte vom Zweiten Deutschen Fernsehen

Er wirkte unter anderem in „Die Gentlemen bitten zur Kasse" und in zwei Folgen von „Derrick" mit, wo er zunächst noch einen Mörder spielte. 1968 wurde er für seine darstellerische Leistung in den Literaturverfilmungen „Der Trinker" und „Biedermann und die Brandstifter" mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet. Von 1973 bis 1974 trat er in Salzburg in Giorgio Strehlers „Das Spiel der Mächtigen I" auf.

Seine mit Abstand bekannteste Rolle übernahm Siegfried Lowitz jedoch von 1977 bis 1985 als Hauptkommissar Erwin Köster in der ZDF-Serie „Der Alte", eine Figur, die bis heute untrennbar mit seinem Namen verbunden bleibt und ihn einem Millionenpublikum bekannt machte. Nach dem Ende dieser Rolle kehrte er hauptsächlich zum Theater zurück, übernahm aber weiterhin gelegentliche Fernsehrollen, etwa als Strafverteidiger Dr. Alfred Flohr in „Flohr und die Traumfrau" (1987) und als geläuterten Kommunisten und tschechischen Agenten Milos in der sechsten Staffel von „Allein gegen die Mafia" (1992). Von 1994 bis 1996 spielte er zudem in der Serie „Anna Maria, Eine Frau geht ihren Weg" an der Seite von Uschi Glas den Alfred Langer.

Ein Leben, das weiterwirkt

Seine letzte Fernsehrolle übernahm Siegfried Lowitz 1997 als liebenswert-schrulliger Elwood P. Dowd in der Komödienverfilmung „Mein Freund Harvey". Seit Kriegsende bis Mitte der siebziger Jahre stand er zudem regelmäßig im Hörspielstudio. Seit 1952 war er in zweiter Ehe mit der Schauspielkollegin Marianne Probst verheiratet, die 2019 starb; aus seinen Ehen ging ein Sohn hervor. Für sein Lebenswerk erhielt er 1996 zusätzlich den Bayerischen Fernsehpreis. Siegfried Lowitz starb am 27. Juni 1999 im Alter von 84 Jahren in München, wo er auch beigesetzt wurde.

Im Bildband Heimatstars zählt Siegfried Lowitz zu den Ikonen, deren Porträts Ingeborg Bock-Schroeder über die Jahrzehnte festgehalten hat, das Gesicht eines Schauspielers, der wie kaum ein anderer die Rolle des ermittelnden, integren Kommissars im deutschen Fernsehen prägte.

Quellen

Die biografischen Angaben in diesem Artikel stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand: August 2026).

HS
Redaktion Heimatstars
Collection Bock-Schroeder
Dieser Beitrag entstand im Rahmen des Heimatstars-Projekts, das die Porträtfotografien von Ingeborg Bock-Schroeder und die Geschichten der von ihr fotografierten Persönlichkeiten dokumentiert. Fragen oder Hinweise zu diesem Artikel? mail@heimatstars.de

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