Ruth Maria Kubitschek: Die Grande Dame des deutschen Fernsehens
Von der Flucht aus Böhmen über DEFA-Filme und ein Gastspiel in Celle bis zur Verlegerin Friederike von Unruh, ein Porträt einer der wandlungsfähigsten Schauspielerinnen des deutschen Fernsehens.
Ruth Maria Kubitschek wurde am 2. August 1931 im böhmischen Komotau geboren, wo ihr Vater ein Kohlebergwerk leitete. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs floh die Familie in den Osten Deutschlands, in die spätere sowjetische Besatzungszone, wo die Eltern eine Neubauernstelle in Köthen in Anhalt übernahmen. Gemeinsam mit vier Geschwistern wuchs Ruth Maria auf dem Land auf. Gegen den Willen ihrer Eltern entschied sie sich schon früh für den Schauspielberuf und besuchte nach der Mittelschule die Hochschule für Theater und Musik in Halle sowie das Deutsche Theaterinstitut, das Stanislawski-Institut, in Weimar.
Ihr erstes Bühnenengagement führte sie nach Halle, wo sie in Bertolt Brechts „Herr Puntila und sein Knecht Matti" debütierte. Ab 1953 übernahm sie kleinere Rollen in DEFA-Produktionen wie „Das kleine und das große Glück", „Thomas Müntzer" und „Der Fackelträger". 1959 führte sie ein Gastspiel am Schlosstheater im westdeutschen Celle, von dem sie nicht mehr in die DDR zurückkehrte. Stattdessen spielte sie fortan auf verschiedenen westdeutschen Bühnen, unter anderem in Hamburg und an den Münchner Kammerspielen.
Vom Straßenfeger zur Fernsehgräfin
1966 wurde Ruth Maria Kubitschek über Nacht einem Millionenpublikum bekannt, als sie in der Titelrolle des Durbridge-Dreiteilers „Melissa" auftrat, einem der großen Straßenfeger jener Zeit. In den folgenden Jahrzehnten avancierte sie zu einer der beliebtesten Fernsehdarstellerinnen Deutschlands: Anfang der achtziger Jahre wurde sie als Filmehefrau von Helmut Fischer in „Monaco Franze: Der ewige Stenz" zum Publikumsliebling, 1986 verkörperte sie in der Kultserie „Kir Royal" die mächtige Verlegerin Friederike von Unruh, die Chefin von Baby Schimmerlos. Von 1987 bis 1990 spielte sie in „Das Erbe der Guldenburgs" die Brauereibesitzerin Margot Balbeck und von 1992 bis 1995 in „Schloß Hohenstein" die Gräfin Sophie von Hohenstein, Rollen, die ihr Bild als vornehme, machtbewusste Dame der Gesellschaft prägten.
Auch in Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen und internationalen Koproduktionen wie dem Zweiteiler „Cinderella, Ein Liebesmärchen in Rom" war sie in ihren späteren Jahren gefragt. Insgesamt wirkte Ruth Maria Kubitschek über ihre gesamte Karriere hinweg an rund 160 Film- und Serienproduktionen mit.
Gastspiel in Celle; sie bleibt in Westdeutschland und kehrt nicht in die DDR zurück.
Durchbruch mit dem Durbridge-Straßenfeger „Melissa".
Rolle der Verlegerin Friederike von Unruh in der Kultserie „Kir Royal".
Hauptrolle als Margot Balbeck in „Das Erbe der Guldenburgs".
Bambi für ihr Lebenswerk.
Ruth Maria Kubitschek stirbt am 1. Juni in der Schweiz im Alter von 92 Jahren.
Autorin, Malerin und Lebenskünstlerin
Neben der Schauspielerei entwickelte Ruth Maria Kubitschek ab Anfang der neunziger Jahre eine rege Tätigkeit als Autorin. Zahlreiche ihrer Bücher, darunter „Immer verbunden mit den Sternen", „Engel, Elfen, Erdgeister", „Ein Troll in meinem Garten" und „Anmutig älter werden", widmeten sich Themen wie Meditation, Esoterik und Naturgeistern. Zwei ihrer Romane, „Das Wunder der Liebe" (2004) und „Der indische Ring" (2006), wurden 2007 und 2008 mit ihr selbst in der Hauptrolle verfilmt, 2007 veröffentlichte sie zudem das Hörbuch „Ein Abend mit Ruth Maria Kubitschek". Auch als Malerin war sie aktiv und stellte ihre Öl-, Acryl- und Aquarellbilder in zahlreichen Ausstellungen aus.
Für ihr Lebenswerk wurde sie unter anderem mit dem Goldenen Gong, der Goldenen Kamera, dem Bayerischen Fernsehpreis, 2005 dem ARD-Medienpreis „Brisant Brillant" und 2011 mit dem Bambi ausgezeichnet. 2013 erhielt sie zusätzlich zur deutschen auch die Schweizer Staatsbürgerschaft. Im selben Jahr drehte sie mit der Komödie „Frau Ella" an der Seite von Matthias Schweighöfer ihren letzten Film und zog sich danach weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück, blieb jedoch als Malerin mit eigenen Ausstellungen präsent.
Ein Leben, das weiterwirkt
Ruth Maria Kubitschek war mit dem Regisseur und Theaterintendanten Götz Friedrich verheiratet; aus der Ehe stammt ihr 1957 geborener Sohn Alexander. Ab 1976 war sie über vier Jahrzehnte mit dem „Traumschiff"-Produzenten Wolfgang Rademann liiert, bis zu dessen Tod 2016, ohne dass die beiden zusammenlebten. Sie selbst lebte zuletzt im schweizerischen Salenstein am Bodensee. Am 1. Juni 2024 starb Ruth Maria Kubitschek im Alter von 92 Jahren in einem Krankenhaus in der Schweiz.
Im Bildband Heimatstars zählt Ruth Maria Kubitschek zu den Ikonen, deren Porträts Ingeborg Bock-Schroeder über die Jahrzehnte festgehalten hat, das Gesicht einer Schauspielerin, die wie kaum eine andere die selbstbewusste, mondäne Frauenfigur im deutschen Fernsehen prägte und dabei zugleich eigene künstlerische und literarische Wege ging.
Quellen
Die biografischen Angaben in diesem Artikel stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand: Juli 2026).