Martin Benrath: Der würdevolle Charakterdarsteller
Vom Berliner Flakhelfer über das Düsseldorfer Schauspielhaus unter Gustaf Gründgens bis zum Bayerischen Staatsschauspiel, ein Porträt eines der markantesten deutschen Bühnen- und Filmschauspieler seiner Generation.
Martin Benrath, bürgerlich Helmut Kurt August Hermann Krüger, wurde am 9. November 1926 im Berliner Stadtteil Lankwitz als Sohn eines leitenden Angestellten geboren. Er besuchte ein Berliner Gymnasium bis zur Oberprima, kurz vor dem Abitur, und diente anschließend zwei Jahre als Luftwaffenhelfer bei der Flak. Erst nach dem Krieg entdeckte er seine Leidenschaft für die Schauspielerei, maßgeblich beeinflusst von Horst Caspar, dessen Hamlet-Darstellung ihn für die Bühne begeisterte.
1946 verkaufte er kurzerhand seine Rolleiflex-Kamera, um mit dem Erlös ein Jahr Schauspielunterricht bei Maria Loya in Berlin zu finanzieren. Sein erstes Engagement erhielt er bereits 1947 am Berliner Theater am Schiffbauerdamm, wo er bis 1950 spielte, gefolgt von Engagements am Theater am Kurfürstendamm und am Hebbel-Theater. Da zu dieser Zeit bereits ein Schauspielkollege namens Krüger, Hardy Krüger, aktiv war, riet man ihm zu einem Künstlernamen, aus Helmut Krüger wurde so Martin Benrath.
Vom Düsseldorfer Schauspielhaus zur Kinokarriere
1953 heiratete Martin Benrath die Schauspielerin Marianne Klein, die 1988 starb. Im selben Zeitraum wechselte er ans Düsseldorfer Schauspielhaus, wo er unter Gustaf Gründgens seinen größten Bühnenerfolg jener Jahre feierte. Ein Autounfall, bei dem ein Stahlträger die Windschutzscheibe seines Wagens durchschlug, hinterließ eine markante Gesichtsnarbe, die fortan sein Erscheinungsbild prägte und ihn für Rollen als Adliger, Korpsstudent oder preußischer Offizier prädestinierte, stets verbunden mit einer gehörigen Portion Sympathie.
1954 gab Martin Benrath mit dem außerordentlich erfolgreichen Zweiteiler „Meines Vaters Pferde" sein Filmdebüt, als Oberleutnant Michael Godeysen an der Seite des damals verheirateten Schauspielerpaares Curd Jürgens und Eva Bartok. In den folgenden Jahren wurde er zu einem der gefragtesten Nebendarsteller des deutschen Unterhaltungskinos, mit Rollen in Musikfilmen wie „Tausend Melodien", Heimatfilmen wie „Heidemelodie" und Komödien wie „Die ideale Frau". Ab 1961 spielte er auch in München, bevor er über neunzehn Jahre lang dem Ensemble des Bayerischen Staatsschauspiels angehörte, wo er unter der Regie von Dieter Lietzau, unter anderem als „König Lear", seine größten Bühnenerfolge feierte.
Erstes Bühnenengagement am Berliner Theater am Schiffbauerdamm.
Filmdebüt in „Meines Vaters Pferde" an der Seite von Curd Jürgens und Eva Bartok.
Titelrolle in „Berlinger", einer seiner bedeutendsten Kinorollen.
Hauptrolle als Konsul Buddenbrook im Fernsehmehrteiler „Die Buddenbrooks".
Adolf-Grimme-Preis und Deutscher Fernsehpreis für seine Rolle im Film „Der Laden".
Martin Benrath stirbt am 31. Januar in Herrsching am Ammersee im Alter von 73 Jahren.
Der Charakterdarsteller im Zweitberuf Film
Mindestens zweimal in seiner Laufbahn gelang Martin Benrath auf dem für ihn eigentlich zweitrangigen Feld des Films ganz große Charakterdarstellung: 1975 spielte er die Titelrolle des Wissenschaftlers und Industriellen Lukas Berlinger in Bernhard Sinkels und Alf Brustellins „Berlinger", vielleicht seine schönste Kinorolle, als ein Mann, der sich gegen die Nationalsozialisten stellt und dafür die Leitung seiner Fabrik an einen linientreuen Jugendfreund verliert. Auch für seine Rolle als zynischer Geheimdienstler in „Kaltgestellt" sowie in der stummfilmnostalgischen Hommage „Der Kinoerzähler" erhielt er seltene, aber begeisterte Kritiken.
Einem breiten Fernsehpublikum wurde er 1979 als Konsul Buddenbrook in der Serie „Die Buddenbrooks" sowie 1986 als Bankier Bernheim in „Väter und Söhne" bekannt. Im selben Jahr feierte er mit seinem Thomas-Mann-Abend „Fülle des Wohllauts" Premiere, mit dem er zahlreiche Tourneen unternahm. Bei den Salzburger Festspielen spielte er unter der Regie von Peter Stein den Julius Caesar. 1991 wirkte er in Helmut Dietls „Schtonk" mit, 1997 in 13 Folgen der Serie „Sophie: Schlauer als die Polizei" als Pater Anselm sowie in Sönke Wortmanns „Der Campus". Auch als Hörbuchsprecher war er gefragt, unter anderem als Erzähler von J.R.R. Tolkiens „Der kleine Hobbit".
Ein Leben, das weiterwirkt
Für sein Lebenswerk wurde Martin Benrath 1988 mit dem Bayerischen Verdienstorden und 1994 mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland geehrt; 1999 erhielt er für seine Rolle im Film „Der Laden" sowohl den Adolf-Grimme-Preis als auch den Deutschen Fernsehpreis. Seine letzte Rolle spielte er 1999 im Mehrteiler „Zwei Asse und ein König"; am Tag der Erstausstrahlung dieser Produktion, im Januar 2000, starb Martin Benrath im Alter von 73 Jahren in Herrsching am Ammersee.
Im Bildband Heimatstars zählt Martin Benrath zu den Ikonen, deren Porträts Ingeborg Bock-Schroeder über die Jahrzehnte festgehalten hat, das Gesicht eines Schauspielers, der wie kaum ein anderer Würde, Charakterstärke und leise Sympathie in einer einzigen Bühnenpräsenz vereinte.
Quellen
Die biografischen Angaben in diesem Artikel stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand: August 2026).
- LexikonMunzinger: Martin Benrath
- PorträtPrisma: Martin Benrath
- FilmografieFilmportal — Martin Benrath
- FilmografieFilmeule: Biografie und Filmografie
- Steckbriefpromi-geburtstage.de — Martin Benrath
- LexikonArdapedia: Martin Benrath