Lou van Burg: Mister Wunnebar des deutschen Fernsehens
Vom niederländischen Grenadier über die Pariser Nachtclubs Lido und Olympia bis zum charismatischen Showmaster von „Der goldene Schuß", ein Porträt eines der schillerndsten Entertainer des deutschen Fernsehens.
Lou van Burg wurde am 25. August 1917 in Den Haag als Louis „Loetje" van Weerdenburg geboren, Sohn eines niederländischen Pelzhändlers, der sein Handwerk vor dem Ersten Weltkrieg in Leipzig erlernt hatte. Nach eigenem Bekunden wuchs er dadurch in einer deutschfreundlichen Atmosphäre auf. Nach dem Abitur wurde er Grenadier im Garderegiment der niederländischen Königin Wilhelmina und versuchte sich während seiner Militärzeit erstmals als Bandleader. Nach der deutschen Besetzung der Niederlande wurde er 1940 als Unteroffizier aus der Armee entlassen, arbeitete danach vorübergehend als Vertreter eines deutschen Unternehmens in Paris und versuchte sich erfolglos mit einer eigenen Filmexportfirma.
1948/49 ging Lou van Burg auf Tournee mit Josephine Baker. Anfang der fünfziger Jahre begann seine eigentliche Entertainerlaufbahn als Sänger und Tänzer in den bekannten Pariser Nachtclubs Lido und Olympia, wo er bereits erste Schallplatten auf Französisch und Niederländisch aufnahm. 1954 wurde er von der Polydor entdeckt, die mit ihm den Titel „Nicolo, Nicolo, Nicolino" veröffentlichte, sein erster Hit in Deutschland.
Vom Schlagersänger zum Showmaster
1958 startete mit „Jede Sekunde ein Schilling" seine erste eigene Fernsehshow beim österreichischen ORF, die sofort ein großer Erfolg wurde und bald auch vom deutschen Fernsehen übernommen wurde. 1960 eroberte er mit „Freunde fürs Leben" seinen erfolgreichsten Titel die deutschen Schlagerparaden. 1961 veröffentlichte er seine Lebenserinnerungen unter dem Titel „Lou van Burg erzählt: Aus dem Leben eines Fernsehstars".
1962 startete beim WDR die Ratesendung „Sing mit mir, spiel mit mir", die jedoch nach vierzehn Ausgaben abgebrochen wurde, nachdem sich herausstellte, dass eine durch ungewöhnliches Rateglück aufgefallene Kandidatin die Nichte einer Redaktionsassistentin war. Van Burg wurde daraufhin zunächst aus dem Fernsehen verbannt, blieb jedoch weiterhin Gegenstand ausführlicher Boulevardberichterstattung, insbesondere als bekannt wurde, dass ihn seine Ehefrau Juliane nach zwanzig gemeinsamen Jahren verlassen hatte, weil er mit der belgischen Sängerin Angèle Durand zusammenlebte, die zugleich seine Managerin wurde. 1962 und 1963 erhielt er dennoch den Bravo Otto in Bronze als beliebtester männlicher TV-Star der Jugendzeitschrift BRAVO, und 1963 spielte er im Schlagerfilm „Sing, aber spiel nicht mit mir" eine Hauptrolle, die direkten Bezug auf den Skandal nahm.
Erster deutscher Hit „Nicolo, Nicolo, Nicolino" bei der Polydor.
Start der ersten eigenen Fernsehshow „Jede Sekunde ein Schilling" beim ORF.
Moderation der Kultsendung „Der goldene Schuß" im ZDF.
Heirat mit Marianne Krems.
Rückkehr mit „Spiel mit Onkel Lou", einer Neuauflage von „Der goldene Schuß".
Lou van Burg stirbt am 26. April in München im Alter von 68 Jahren.
Der goldene Schuß
Am 26. November 1964 präsentierte Lou van Burg die Startsendung der Kandidatenauswahl für „Der goldene Schuß", die eigentliche erste Ausgabe der neuen ZDF-Show folgte am 4. Dezember desselben Jahres. Bis 1967 moderierte er dieses Armbrust- und Luftgewehr-Gewinnspiel, das mit seiner Mischung aus Spannung, Geschick und Unterhaltung zu einem der erfolgreichsten deutschen Fernsehformate seiner Zeit wurde. Sein charismatischer, entspannter Moderationsstil und sein charakteristischer holländischer Akzent, insbesondere sein Ausruf „Wunnebar!", trugen ihm den bis heute bekannten Spitznamen „Mister Wunnebar" ein.
Auslöser für die Trennung des ZDF von dem Entertainer war ein weiterer Skandal: Seine damalige Lebensgefährtin und Managerin Angèle Durand berichtete der „Bild"-Zeitung und mehreren Illustrierten, dass der verheiratete van Burg ein Verhältnis mit seiner Assistentin Marianne Krems habe, die zu diesem Zeitpunkt bereits schwanger war. Die Sendung wurde bis 1970 unter dem neuen Moderator Vico Torriani fortgeführt. Erst 1976, fast ein Jahrzehnt nach seinem Rausschmiss, holte das ZDF Lou van Burg mit der Evergreen-Sendung „Wir machen Musik" zurück auf den Bildschirm; mit „So wird's nie wieder sein" erzielte er noch einmal beachtliche Einschaltquoten. 1983 erhielt er schließlich unter dem Titel „Spiel mit Onkel Lou" eine eigene Neuauflage von „Der goldene Schuß", die ihm seinen zweiten bekannten Spitznamen „Onkel Lou" einbrachte.
Ein Leben, das weiterwirkt
Bis 1961 lebte Lou van Burg zwanzig Jahre lang mit seiner Ehefrau Juliane zusammen, danach mit der Sängerin Angèle Durand. 1969 heiratete er Marianne Krems, die ihre Tochter Angie (geboren 1964) mit in die Ehe brachte; gemeinsam bekamen sie die Töchter Yasmine (geboren 1968) und Stephanie. Lou van Burg starb am 26. April 1986 im Alter von 68 Jahren in München an den Folgen einer langjährigen Leukämieerkrankung und wurde auf dem Neuen Südfriedhof beigesetzt; sein Grabstein mit der Inschrift „Onkel Lou" steht heute im Garten des Hauses seiner Tochter. Seine Tochter Yasmine erbte sein Showtalent und tritt bis heute als „Yasmine van Burg" vor allem in den Niederlanden auf, auch Stieftochter Angie blieb als Sängerin „Angie van Burg" künstlerisch aktiv.
Im Bildband Heimatstars zählt Lou van Burg zu den Ikonen, deren Porträts Ingeborg Bock-Schroeder über die Jahrzehnte festgehalten hat, das Gesicht eines Entertainers, der wie kaum ein anderer niederländischen Charme, Skandalgeschichten und echte Unterhaltungskunst zu einer jahrzehntelangen Fernsehkarriere verband.
Quellen
Die biografischen Angaben in diesem Artikel stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand: Juli 2026).
- LexikonWikipedia (englisch): Lou van Burg
- LexikonMunzinger: Lou van Burg
- DiskografieChartsurfer: Lou van Burg, Biografie
- Porträtsteffi-line.de: Lou van Burg
- LexikonMünchner Personenverzeichnis: Lou van Burg
- Porträtschmusa.de: Lou van Burg