Karin Dor: Das einzige deutsche Bond-Girl

Von der Filmkomparsin über die Häuptlingstochter Ribanna bis zum spektakulären Filmtod bei Alfred Hitchcock, ein Porträt einer der populärsten deutschen Schauspielerinnen der sechziger Jahre.

Porträt der Schauspielerin Karin Dor, fotografiert von Ingeborg Bock-Schroeder, aus dem Archiv der Sammlung Bock-Schroeder
Karin Dor, Porträtaufnahme © Sammlung Bock-Schroeder.

Karin Dor wurde am 22. Februar 1938 als Kätherose Derr in Wiesbaden geboren und wuchs in bürgerlichen Verhältnissen auf. Eigentlich wollte sie Modedesignerin werden, nahm aber schon als Gymnasiastin Schauspiel- und Ballettunterricht. Während sie als Filmkomparsin arbeitete, wurde sie von Regisseur Arthur Maria Rabenalt entdeckt, der sie seinem Kollegen Harald Reinl empfahl. Reinl gab ihr 1954 eine Rolle im Heimatfilm „Rosen-Resli" sowie eine weitere in „Der schweigende Engel"; im selben Jahr heiratete die damals erst sechzehnjährige Karin Dor den rund dreißig Jahre älteren Regisseur.

Am 21. November 1955 kam in Berlin ihr gemeinsamer Sohn Andreas Reinl zur Welt. Ihre ersten größeren Rollen spielte sie als Abiturientin in „Ihre große Prüfung" und als Bürgermeistertochter im Spanischen Bürgerkrieg in Reinls „Solange du lebst". In den folgenden Jahren spezialisierte sie sich auf sanfte, naive Rollen in Heimatfilmen wie „Almenrausch und Edelweiß" und Operettenverfilmungen wie „Im weißen Rössl".

Von der Wallace-Heldin zur Häuptlingstochter

Ab 1960 wandelte sich Karin Dors Image: Glamouröser und sinnlicher übernahm sie fortan reifere Rollen als Heldin in den beliebten Edgar-Wallace-Verfilmungen, beginnend mit „Der grüne Bogenschürtze" 1961 an der Seite von Joachim Fuchsberger als Scotland-Yard-Chefinspektor Long. Weitere Wallace-Filme wie „Der Fälscher von London", „Zimmer 13" und „Der unheimliche Mönch" folgten. Auch bei den Karl-May-Verfilmungen, dem zweiten großen westdeutschen Genre-Erfolg jener Jahre, war sie eine Schlüsselfigur und spielte wiederholt, stets unter der Regie ihres Mannes Harald Reinl, die schutzbedürftige Schönheit, am bekanntesten als Häuptlingstochter Ribanna, die große Liebe Winnetous.

1966 übernahm sie die Rolle der Brünhild in Reinls zweiteiligem Nibelungen-Epos, ein Film, der bei der Kritik zwar durchfiel, aber zum Ausgangspunkt ihrer internationalen Karriere wurde. 1967 gelang ihr mit der Rolle der Helga Brandt im James-Bond-Film „Man lebt nur zweimal" an der Seite von Sean Connery der internationale Durchbruch: Bis heute ist sie das einzige deutsche Bond-Girl in der Geschichte der Filmreihe. 1969 folgte mit Alfred Hitchcocks Spionagethriller „Topas" eine weitere internationale Produktion, in der sie einen spektakulären Filmtod starb.

1954

Erste Filmrollen und Heirat mit Regisseur Harald Reinl.

1961

Beginn der Edgar-Wallace-Reihe mit „Der grüne Bogenschütze".

1967

Internationaler Durchbruch als Bond-Girl Helga Brandt in „Man lebt nur zweimal".

1969

Rolle in Alfred Hitchcocks Spionagethriller „Topas".

2006

Kino-Comeback in Margarethe von Trottas „Ich bin die Andere" an der Seite von Katja Riemann.

2017

Karin Dor stirbt am 6. November in München im Alter von 79 Jahren.

Rückschläge und ein zweites Leben auf der Bühne

Nach der Scheidung von Harald Reinl im Jahr 1968 sowie einer Krebserkrankung, die sie zur selben Zeit überstehen musste, flaute Karin Dors Filmkarriere in den siebziger Jahren merklich ab. Von 1972 bis 1974 war sie mit dem Kaufmann Günther Schmucker verheiratet, 1988 heiratete sie den amerikanischen Schauspieler und Stuntman George Robotham, mit dem sie bis zu dessen Tod 2007 verheiratet blieb. Statt großer Kinorollen konzentrierte sie sich fortan auf Theaterarbeit in Hamburg, Köln, München und Bad Godesberg sowie auf gelegentliche Auftritte in amerikanischen Fernsehserien wie „Ihr Auftritt, Al Mundy".

2006 feierte Karin Dor ein bemerkenswertes Kino-Comeback in Margarethe von Trottas Melodram „Ich bin die Andere", in dem sie die alkoholkranke Mutter der von Katja Riemann gespielten Hauptfigur verkörperte. Neujahr 2010 war sie nach längerer Kamera-Abstinenz erneut im Fernsehen zu sehen, in einer Folge der Reihe „Das Traumschiff". Auch nach einem schweren Unfall im Sommer 2016, bei dem sie auf offener Straße angefahren wurde und schwere Kopfverletzungen erlitt, ließ sie sich nicht von der Bühne fernhalten und trat noch im Juli 2016 in der „Komödie im Bayerischen Hof" in München auf.

Ein Leben, das weiterwirkt

Erst Wochen nach ihrem Sturz, während der Proben zum Theaterstück „Der dressierte Mann", erkannten Ärzte, dass ihre Verletzungen schwerwiegender waren als zunächst angenommen; sie litt fortan unter Kopfschmerzen und Erschöpfung. Trotz ärztlichem Rat setzte sie ihre Arbeit als Schauspielerin fort und stand zwischen Oktober und November 2016 jeden Abend auf der Bühne der „Komödie am Bayerischen Hof", obwohl sie zu diesem Zeitpunkt bereits eingeschränkte motorische Fähigkeiten im rechten Bein hatte. Im Januar 2017 verschlechterte sich ihr Zustand plötzlich rapide. Karin Dor starb am 6. November 2017 im Alter von 79 Jahren in München.

Im Bildband Heimatstars zählt Karin Dor zu den Ikonen, deren Porträts Ingeborg Bock-Schroeder über die Jahrzehnte festgehalten hat, das Gesicht einer Schauspielerin, die wie kaum eine andere den Wandel vom braven Heimatfilmstar zur international gefeierten Filmheldin vollzog.

Quellen

Die biografischen Angaben in diesem Artikel stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand: Juli 2026).

HS
Redaktion Heimatstars
Collection Bock-Schroeder
Dieser Beitrag entstand im Rahmen des Heimatstars-Projekts, das die Porträtfotografien von Ingeborg Bock-Schroeder und die Geschichten der von ihr fotografierten Persönlichkeiten dokumentiert. Fragen oder Hinweise zu diesem Artikel? mail@heimatstars.de

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