Heino: Vom Bäckerlehrling zur Sonnenbrillen-Ikone der Volksmusik

Vom Heimatfest im Rheinland bis zu über 50 Millionen verkauften Tonträgern, ein Porträt des Sängers, der wie kein Zweiter für deutsche Volksmusik und Schlager steht.

Porträt des Sängers Heino, fotografiert von Ingeborg Bock-Schroeder, aus dem Archiv der Sammlung Bock-Schroeder
Heino, Porträtaufnahme © Sammlung Bock-Schroeder.

Heino wurde am 13. Dezember 1938 als Heinz Georg Kramm in Düsseldorf-Oberbilk geboren. Sein Vater fiel bereits 1941 im Krieg, weshalb er mit seiner Mutter Franziska und seiner älteren Schwester Hannelore zunächst in Pommern, ab 1945 vorübergehend in Großenhain in Sachsen aufwuchs, bevor die Familie nach Kriegsende nach Oberbilk zurückkehrte. Mit zehn Jahren schenkte ihm seine Mutter ein Akkordeon, obwohl sich die Familie das eigentlich kaum leisten konnte, ein Geschenk, das seinen Weg in die Musik einleitete.

Statt zunächst Musiker zu werden, begann Heino 1952 im Alter von vierzehn Jahren eine Ausbildung zum Bäcker und Konditor, die er 1955 mit der Gesellenprüfung abschloss. Im selben Jahr hatte er mit zwei Freunden auf einem örtlichen Heimatfest seinen ersten Auftritt. 1961 gründeten die Freunde die „OK Singers", doch der große Erfolg blieb zunächst aus, sodass Heino weiter als Bäcker arbeitete.

Der Durchbruch mit der Sonnenbrille

Erst 1965 wurde Heino bei einem Auftritt mit der Gruppe „Comedian Terzett" entdeckt und stieg mit seiner Version von „Jenseits des Tales", einem Cover von Freddy Quinn, in die Hitparaden ein. 1970 erhielt er mit dem „Goldenen Electrola Hund" seine erste Auszeichnung für eine Million verkaufter Singles. Zum endgültigen Meilenstein wurde 1972 „Blau blüht der Enzian", das bis heute als sein bekanntestes Lied gilt.

Sein Markenzeichen, die dunkle Sonnenbrille, trägt Heino seit den siebziger Jahren nicht aus stilistischen Gründen, sondern wegen seiner Erkrankung an Morbus Basedow, die unter anderem zu hervortretenden Augen führt. In Kombination mit seinem hellblonden Haar wurde die Sonnenbrille zu einem der unverwechselbarsten Erkennungsmerkmale der deutschen Unterhaltungsmusik.

1965

Entdeckung bei einem Auftritt mit dem „Comedian Terzett"; erster Hitparaden-Erfolg mit „Jenseits des Tales".

1972

„Blau blüht der Enzian" wird zu seinem bis heute bekanntesten Lied.

1981

Das Album „Lieder der Berge" erhält Platin.

2013

Das Coveralbum „Mit freundlichen Grüßen" mit Songs von Rammstein, Die Ärzte und Nena erreicht Platz eins der deutschen Album-Charts.

2018

Nach eigener Ankündigung erscheint mit „…und tschüss, das letzte Album" sein vermeintlich letztes Werk.

2023

Veröffentlichung von „Lieder meiner Heimat" und dem Duett-Album „Unsere schönsten Duette, Heino und Hannelore".

Der ewige Wandler zwischen den Genres

Besonders erfolgreich waren neben „Blau blüht der Enzian" auch die Alben „Hurra, wir fahr'n ins Grüne" und „Die schönsten Volkslieder der Welt", die sich beide in den Top Ten der Albumcharts platzierten. 2013 überraschte Heino dann mit einer völlig neuen musikalischen Richtung: Auf „Mit freundlichen Grüßen" interpretierte er Coverversionen von Die Fantastischen Vier, Rammstein, Die Ärzte und Nena in seiner unverkennbaren Baritonstimme. Das Album sorgte bereits vor Veröffentlichung für Kontroversen und wurde so oft heruntergeladen, dass es direkt auf Platz eins der Charts einstieg. 2014 folgte mit „Schwarz blüht der Enzian" ein Album im Rock- und Metal-Gewand.

Obwohl Heino 2018 nach eigenen Angaben seine letzte Tournee und sein letztes Album ankündigte, blieb er der Musik treu: 2020 erschien „Teure Heimat", 2021 das klassisch angelegte „Heino goes Klassik", 2023 gleich zwei weitere Alben. Bis heute steht er, mittlerweile Mitte achtzig, weiterhin auf der Bühne.

Ein Leben zwischen Bühne und Backstube

Heino ist zum dritten Mal verheiratet; seine Frau Hannelore begleitet und unterstützt ihn seit Jahrzehnten bei seinen Auftritten. Aus erster Ehe stammt sein Sohn Uwe. Neben der Musik betrieb Heino über viele Jahre eigene Cafés, unter anderem in seinem Wohnort Bad Münstereifel und im Phantasialand in Brühl, wo seine Haselnusstorte und sein Kaiserschmarrn Kultstatus erreichten. 1996 veröffentlichte er seine Autobiografie „Heino, und sie lieben mich doch".

Im Bildband Heimatstars zählt Heino zu den Ikonen, deren Porträts Ingeborg Bock-Schroeder über die Jahrzehnte festgehalten hat, das Gesicht eines Sängers, der wie kaum ein anderer die deutsche Volksmusik über Generationen und Genregrenzen hinweg geprägt hat.

Quellen

Die biografischen Angaben in diesem Artikel stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand: Juli 2026).

HS
Redaktion Heimatstars
Collection Bock-Schroeder
Dieser Beitrag entstand im Rahmen des Heimatstars-Projekts, das die Porträtfotografien von Ingeborg Bock-Schroeder und die Geschichten der von ihr fotografierten Persönlichkeiten dokumentiert. Fragen oder Hinweise zu diesem Artikel? mail@heimatstars.de

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Über 50 Porträtaufnahmen deutscher Film- und Fernsehlegenden aus vier Jahrzehnten, fotografiert von Ingeborg Bock-Schroeder.

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Buchcover Heimatstars von Ingeborg Bock-Schroeder