Gert Fröbe: Vom Bühnenmaler zum Bösewicht Goldfinger

Vom sächsischen Bühnenmaler-Lehrling über den Kindermörder von „Es geschah am hellichten Tag" bis zum ikonischen James-Bond-Schurken, ein Porträt eines der wandlungsfähigsten Charakterdarsteller des deutschen Films.

Porträt des Schauspielers Gert Fröbe, fotografiert von Ingeborg Bock-Schroeder, aus dem Archiv der Sammlung Bock-Schroeder
Gert Fröbe, Porträtaufnahme © Sammlung Bock-Schroeder.

Karl Gerhart Fröbe wurde am 25. Februar 1913 im sächsischen Oberplanitz, dem heutigen Zwickau, geboren. Sein Vater Otto Johannes Fröbe arbeitete als Seilermeister, Lederhändler und Schuster, seine Mutter Helene Alma als Näherin; gemeinsam mit seiner älteren Schwester Hanni wuchs er in bescheidenen Verhältnissen auf. Schon früh zeigte er Talent zum Malen und verdiente sich mit selbstgemalten Postkarten etwas dazu. 1929, im Alter von sechzehn Jahren, trat er der NSDAP bei, in der Hoffnung, wie er später sagte, Hitler könne eine Lösung für die Probleme Deutschlands bringen; 1937, noch vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, verließ er die Partei wieder.

Von 1933 bis 1935 ließ sich Fröbe am Staatstheater Dresden zum Bühnenmaler ausbilden und nahm parallel Schauspielunterricht bei Erich Ponto, dem er 1936 nach Berlin folgte, wo er seine Ausbildung bei Paul Günther und Lothar Müthel fortsetzte. Es folgten Engagements in Wuppertal, Frankfurt am Main und schließlich am Wiener Volkstheater, wo er von 1940 bis 1944 auftrat und 1944 mit einer Rolle als Bauer im Film „Die Kreuzlschreiber" erstmals mit dem Medium Film in Berührung kam.

Kriegsjahre und ein stilles Kapitel

Als die Theater im September 1944 geschlossen wurden, wurde Fröbe zum Kriegsdienst eingezogen und diente bis Kriegsende als Sanitäter beim Roten Kreuz in Wien. In dieser Zeit versteckte er, wie erst zwanzig Jahre später öffentlich bekannt wurde, einen jüdischen Mann und dessen Mutter vor der Gestapo in seinem Keller und rettete ihnen damit vermutlich das Leben.

Nach Kriegsende nahm Gert Fröbe seine Arbeit wieder auf und erhielt 1946 ein Engagement bei den Münchner Kammerspielen, wo er besonders für seine pantomimischen Darstellungen gefeiert wurde. 1947 trat er gemeinsam mit Karl Valentin im Münchner „Simpl" als Jongleur, Mime und Rezitator auf. Seinen ersten größeren Erfolg als Filmschauspieler feierte er 1948 mit der Rolle eines heimkehrenden, hilflosen Kriegsveteranen in „Berliner Ballade", einem der ersten bedeutenden deutschen Nachkriegsfilme.

1948

Erster großer Filmerfolg in „Berliner Ballade".

1955

Internationaler Durchbruch mit „Die Helden sind müde".

1958

Ikonische Rolle als Kindermörder in „Es geschah am hellichten Tag" an der Seite von Heinz Rühmann.

1964

Weltweiter Durchbruch als Bond-Bösewicht Auric Goldfinger in „James Bond 007 – Goldfinger".

1965

„Goldfinger" wird in Israel wegen Fröbes NSDAP-Vergangenheit vorübergehend verboten.

1988

Gert Fröbe stirbt am 5. September in München im Alter von 75 Jahren.

Vom Kindermörder zum Weltstar

In den fünfziger Jahren avancierte Fröbe zu einem der ersten deutschen Filmstars der Nachkriegszeit: 1955 gelang ihm mit „Die Helden sind müde" der internationale Durchbruch, 1957 folgten Rollen in Jules Dassins „Der, der sterben muss" sowie an der Seite von Horst Buchholz und Romy Schneider in „Robinson soll nicht sterben". 1958 verkörperte er in der Verfilmung des Falls Rosemarie Nitribitt, „Das Mädchen Rosemarie", ebenso überzeugend wie an der Seite von Heinz Rühmann in der Komödie „Die Pauker". Sein womöglich eindrücklichster darstellerischer Moment gelang ihm im selben Jahr als Kindermörder in Ladislao Vajdas Thriller-Klassiker „Es geschah am hellichten Tag", wiederum neben Heinz Rühmann, eine Rolle, die seine schauspielerische Bandbreite eindrucksvoll unter Beweis stellte.

1960 spielte er den Inspektor Kras in Fritz Langs Mabuse-Remake „Die 1000 Augen des Dr. Mabuse", 1961 wurde er mit dem Ernst-Lubitsch-Preis für „Der Gauner und der liebe Gott" sowie mit dem Hauptdarstellerpreis des Filmfestivals von San Sebastián ausgezeichnet. Den endgültigen internationalen Durchbruch als Weltstar brachte ihm 1964 die Rolle des Bösewichts Auric Goldfinger im James-Bond-Film „Goldfinger", eine Rolle, die ihm die Türen zu zahlreichen weiteren internationalen Produktionen öffnete, darunter „Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten" als preußischer General, „Chitty Chitty Bang Bang" als Baron Bomburst sowie „Der längste Tag". Da Fröbe kein Englisch sprach, wurde er in vielen seiner internationalen Rollen synchronisiert.

Eine Kontroverse und ihre Auflösung

1965 geriet Gert Fröbe in die Kritik, als seine frühere NSDAP-Mitgliedschaft öffentlich bekannt wurde: Wegen dieser Vergangenheit wurde „Goldfinger" in Israel für mehrere Monate verboten. Die Wende kam, als der jüdische Überlebende Mario Blumenau sich an die israelische Botschaft in Wien wandte und erklärte, dass Fröbe wahrscheinlich sein Leben und das seiner Mutter gerettet hatte, indem er sie während des Krieges vor den Nationalsozialisten versteckt hielt. Daraufhin wurde das Verbot aufgehoben.

Ab 1971 arbeitete Fröbe zunehmend wieder in der Bundesrepublik, unter anderem in Richard Brooks' in Hamburg gedrehtem Film „Dollars ($)". Auch nach dem Mauerbau reiste er regelmäßig in die DDR, um seine Mutter zu besuchen, die bis zu ihrem Tod in Zwickau-Oberplanitz wohnen blieb, zunächst mit dem eigenen Auto, später mit dem Interzonenzug, um als inzwischen berühmter Schauspieler kein Aufsehen zu erregen. Sein Haus am Luganer See in der Schweiz benannte er ihr zu Ehren „Casa Alma".

Ein Leben, das weiterwirkt

Für sein Lebenswerk wurde Gert Fröbe unter anderem mit dem Deutschen Filmkritikerpreis (1959), dem Bambi (1966 und 1967), dem Großen Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (1973), dem Karl-Valentin-Orden (1976), dem Filmband in Gold (1978), dem Bayerischen Verdienstorden (1982) und der Goldenen Kamera (1983) ausgezeichnet. Privat war er mehrfach verheiratet, unter anderem mit Hannelore Görtz, Beate Bach und ab 1970 mit Karin Kuderer-Pistorius; er hatte zwei Söhne und eine Tochter. Gert Fröbe starb am 5. September 1988 im Alter von 75 Jahren in München und wurde auf dem Waldfriedhof in Icking beigesetzt.

Im Bildband Heimatstars zählt Gert Fröbe zu den Ikonen, deren Porträts Ingeborg Bock-Schroeder über die Jahrzehnte festgehalten hat, das Gesicht eines Schauspielers, dessen Lebensgeschichte, geprägt von einer schwierigen politischen Jugend und einer stillen Tat des Widerstands im Verborgenen, bis heute zur kritischen Auseinandersetzung mit seiner Zeit einlädt.

Quellen

Die biografischen Angaben in diesem Artikel stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand: Juli 2026).

HS
Redaktion Heimatstars
Collection Bock-Schroeder
Dieser Beitrag entstand im Rahmen des Heimatstars-Projekts, das die Porträtfotografien von Ingeborg Bock-Schroeder und die Geschichten der von ihr fotografierten Persönlichkeiten dokumentiert. Fragen oder Hinweise zu diesem Artikel? mail@heimatstars.de

Das ist kein gewöhnlicher Bildband. Das ist eine Zeitreise.

Über 50 Porträtaufnahmen deutscher Film- und Fernsehlegenden aus vier Jahrzehnten, fotografiert von Ingeborg Bock-Schroeder.

Jetzt mehr erfahren

Weitere Informationen zur Buchveröffentlichung und Vorbestellung finden Sie auf unserer Buch-Seite.

Buchcover Heimatstars von Ingeborg Bock-Schroeder