Eva Renzi: Das Glamourgirl der sechziger Jahre

Von der Telefonistin und dem Mannequin über die Entdeckung durch Will Tremper bis zur internationalen Bekanntheit an der Seite von Michael Caine, ein Porträt einer der schillerndsten und meinungsstärksten Schauspielerinnen ihrer Generation.

Porträt der Schauspielerin Eva Renzi, fotografiert von Ingeborg Bock-Schroeder, aus dem Archiv der Sammlung Bock-Schroeder
Eva Renzi, Porträtaufnahme © Sammlung Bock-Schroeder.

Eva Renzi wurde am 3. November 1944 in Berlin als Evelyn Hildegard Renziehausen geboren und wuchs in Berlin-Neukölln auf. Ihr Vater war ein dänischer Mayonnaise-Fabrikant, ihre deutlich jüngere Mutter Französin, die die Familie verließ, als Eva drei Jahre alt war. In der Folge wuchs sie in Internaten und Klosterschulen auf, lernte dabei vier Fremdsprachen und besaß einen Schweizer Pass. Das Gymnasium brach sie nach der Untersekunda ab und verdiente ihren Lebensunterhalt zunächst als Telefonistin, Hostess und Mannequin.

Parallel dazu nahm sie Unterricht an der angesehenen Berliner Schauspielschule von Else Bongers. Ihr erstes Bühnenengagement erhielt sie 1961 am Theater am Kurfürstendamm, wo sie in den folgenden Jahren unter der Regie von Erwin Piscator und Erik Ode spielte; 1964/1965 wurde sie Ensemblemitglied der Freien Volksbühne Berlin unter Piscator, wo sie unter anderem die Elektra verkörperte.

Die Entdeckung als „Playgirl"

Anfang 1965, bereits alleinerziehende Mutter ihrer Tochter Anouschka, wurde Eva Renzi von Regisseur Will Tremper für den Film entdeckt, der ihr eigens ein Drehbuch auf den Leib schrieb und ihr zugleich, wie manche Quellen berichten, auch ihren Künstlernamen gab. In seinem Film „Playgirl" (1966) spielte sie die Hauptrolle des Mannequins Alexandra Borowski und wurde von der deutschen Presse als „eine sinnliche Mischung aus Julie Christie und Ingrid Bergman" gefeiert, ein Bild, das ihre öffentliche Wahrnehmung fortan prägte. Durch diesen Film wurde auch der James-Bond-Produzent Harry Saltzman auf sie aufmerksam.

1966 gelang ihr mit der Rolle der Samantha Steel an der Seite von Michael Caine im internationalen Spionagethriller „Finale in Berlin" unter der Regie von Guy Hamilton der internationale Durchbruch. Auf dem Set von „Playgirl" hatte sie zudem den Schweizer Filmstar Paul Hubschmid kennengelernt, siebenundzwanzig Jahre älter als sie; 1967 heirateten die beiden und galten fortan als „Traumpaar" des späten deutschen Nachkriegskinos, standen mehrfach gemeinsam vor der Kamera und blieben bis zur Scheidung 1980 verheiratet.

1965

Entdeckung durch Will Tremper und Hauptrolle in „Playgirl".

1966

Internationaler Durchbruch an der Seite von Michael Caine in „Finale in Berlin".

1967–1980

Ehe mit dem Schweizer Filmstar Paul Hubschmid.

1983

Kontroverse bei den Bad Hersfelder Festspielen; ihre Entlassung wird später vom Bühnenschiedsgericht aufgehoben.

Späte 1980er

Fernsehcomeback mit den Serien „Waldhaus" und „Das Erbe der Guldenburgs".

2005

Eva Renzi stirbt am 16. August in Berlin im Alter von 60 Jahren.

Eine unbequeme Stimme

In den folgenden Jahren drehte Eva Renzi weitere internationale Produktionen in der Schweiz, Frankreich und den USA, darunter „Le Grand Dadais" (1967). 1973 sorgte sie für Aufsehen, als sie nach einer Indienreise offen über negative Erfahrungen mit der Bhagwan-Bewegung berichtete und dem Guru Drogenmissbrauch vorwarf, eine für die damalige Zeit ungewöhnlich direkte öffentliche Stellungnahme. Zwischen 1976 und 1986 übernahm sie nur wenige Rollen, darunter im Kinofilm „Manuel/Jäger des Herzens", in der französischen Serie „Papa Poule" und in „Ein kleines Luder".

1983 sorgte ein weiterer Skandal für Schlagzeilen, als sie während der Bad Hersfelder Festspiele Bundespräsident Karl Carstens als „alten Nazi" bezeichnet haben soll. Sie wurde daraufhin entlassen, das Bühnenschiedsgericht hob die Kündigung jedoch später wieder auf. Ende der achtziger Jahre feierte Eva Renzi mit den Fernsehserien „Waldhaus" und „Das Erbe der Guldenburgs" ein Comeback im deutschen Fernsehen, später war sie zudem in der Krimiserie „Grenzfälle" zu sehen.

Ein Leben, das weiterwirkt

Eva Renzis Tochter Anouschka Renzi wurde ebenfalls Schauspielerin und trat damit in die Fußstapfen ihrer Mutter. Eva Renzi starb am 16. August 2005 im Alter von 60 Jahren in ihrer Geburtsstadt Berlin an Lungenkrebs und wurde auf dem Luisenfriedhof III beigesetzt.

Im Bildband Heimatstars zählt Eva Renzi zu den Ikonen, deren Porträts Ingeborg Bock-Schroeder über die Jahrzehnte festgehalten hat, das Gesicht einer Schauspielerin, die wie kaum eine andere Glamour, internationale Ausstrahlung und eine unbequeme, eigenständige Meinungsstärke miteinander verband.

Quellen

Die biografischen Angaben in diesem Artikel stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand: Juli 2026).

HS
Redaktion Heimatstars
Collection Bock-Schroeder
Dieser Beitrag entstand im Rahmen des Heimatstars-Projekts, das die Porträtfotografien von Ingeborg Bock-Schroeder und die Geschichten der von ihr fotografierten Persönlichkeiten dokumentiert. Fragen oder Hinweise zu diesem Artikel? mail@heimatstars.de

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