Esther & Abi Ofarim: Israels berühmtestes Gesangsduo

Von den Nachtclubs Haifas über den Eurovision Song Contest 1963 bis zu Cinderella Rockefella und einer Begegnung mit der britischen Queen: ein Porträt des Ehepaars, das in den sechziger Jahren zu Israels erfolgreichsten musikalischen Botschaftern in Europa wurde.

Porträt von Esther und Abi Ofarim, fotografiert von Ingeborg Bock-Schroeder, aus dem Archiv der Sammlung Bock-Schroeder
Esther & Abi Ofarim, Porträtaufnahme © Sammlung Bock-Schroeder.

Esther Zaied, geboren am 13. Juni 1941 im damals britisch verwalteten Safed, begann bereits als Kind zu singen. 1958 lernte sie in Haifa den Gitarristen und Tänzer Abraham „Abi" Reichstadt kennen, geboren am 5. Oktober 1937, in dessen Tanzstudio sie zunächst Schülerin war. Am 11. Dezember desselben Jahres heirateten die beiden, woraufhin Esther nach nur vier Monaten aus dem israelischen Militärdienst entlassen wurde. Beide traten fortan unter dem hebräischen Künstlernamen Ofarim auf, was so viel wie „Rehkitze" bedeutet.

Ihre ersten gemeinsamen Auftritte absolvierten Esther und Abi im Hebrew Theatre Club, dem israelischen Nationaltheater, wo Abi als Tänzer und Esther als Sängerin engagiert waren. Bereits 1958 gehörte Esther zudem der von Abi und Shmulik Kraus gegründeten Gruppe „Ofarim" an, die sich später in „Ofarim Trio" umbenannte, ehe Kraus die Formation aufgrund von Uneinigkeiten über die Gewinnverteilung wieder verließ. Früh etablierten Esther und Abi die Arbeitsteilung, die ihr Klangbild prägen sollte: Sie übernahm den Gesang, während er Gitarre spielte und mit dunkler Zweitstimme ihre helle Stimme begleitete.

Zweiter Platz beim Grand Prix und der Weg nach Deutschland

1963 ließen sich Esther und Abi in Genf nieder und nahmen Lieder auf Französisch, Italienisch, Hebräisch und Englisch für den Schweizer Sender Radio Suisse Romande auf. Im selben Jahr vertrat Esther die Schweiz beim Eurovision Song Contest in London mit dem Titel „T'en vas pas", der unter teils als umstritten geltenden Umständen mit nur zwei Punkten Rückstand auf den dänischen Siegertitel den zweiten Platz belegte, ein Ereignis, das den eigentlichen Startschuss für die europäische Karriere des Paares gab. Nach diesem Erfolg begann das Duo, für das Label Philips in Deutschland aufzunehmen.

Der Durchbruch in Deutschland gelang 1966 mit dem Titel „Noch einen Tanz". Größten Erfolg auf dem deutschen Markt erzielte im Jahr darauf „Morning of My Life", eine Komposition der Bee Gees, die Platz zwei der deutschen Hitparade erreichte. 1965 führte eine große Deutschlandtournee die beiden zu 45 ausverkauften Konzerten in 32 Städten, und im selben Jahr wurden sie mit dem Edison-Preis geehrt.

1958

Esther und Abi lernen sich in Haifa kennen und heiraten am 11. Dezember.

1963

Esther erreicht für die Schweiz beim Eurovision Song Contest in London den zweiten Platz mit „T'en vas pas".

1965

Deutschlandtournee mit 45 ausverkauften Konzerten in 32 Städten; Auszeichnung mit dem Edison-Preis.

1966

Durchbruch in Deutschland mit „Noch einen Tanz".

1968

Internationaler Durchbruch mit „Cinderella Rockefella"; Auftritt in der Royal Albert Hall und Begegnung mit der britischen Queen.

1969

Letztes gemeinsames Konzert im März in Köln; Trennung auf dem Höhepunkt der Karriere.

1970

Scheidung der Ehe im November.

2018

Abi Ofarim stirbt am 4. Mai.

Cinderella Rockefella und die Queen

Den endgültigen internationalen Durchbruch erlebte das Duo 1968 mit dem Titel „Cinderella Rockefella", der auch in Großbritannien Spitzenpositionen der Musikcharts erreichte. Im selben Jahr traten Esther und Abi in der Londoner Royal Albert Hall auf und trafen im Rahmen dieser Erfolge auch die britische Königin. In Israel selbst wurde das Duo in vielen Hörfunksendungen zunächst kaum gespielt, da ihr Erfolg ausgerechnet in Deutschland angesichts des Holocaust für zahlreiche dortige Radiomacher schwer zu verkraften gewesen sei; erst Jahre später setzte sich, wie Abi Ofarim später sinngemäß feststellte, die Erkenntnis durch, dass die beiden zu Israels besten musikalischen Botschaftern geworden waren.

Doch bereits auf dem Höhepunkt ihres Erfolgs kriselte es sowohl beruflich als auch privat in der Beziehung des Ehepaares. Im März 1969 gaben Esther und Abi im Rahmen ihrer Welttournee in Köln ihr letztes gemeinsames Konzert und trennten sich. Während Esther zu Filmaufnahmen in die USA reiste, versuchte sich Abi in London als Produzent, Manager, Komponist, Arrangeur und Regisseur und gründete unter anderem eine Fachschule für Nachwuchskünstler. Im November 1970 wurde die Ehe schließlich geschieden.

Getrennte Wege, gemeinsames Erbe

Nach der Trennung setzte Esther Ofarim ihre Karriere erfolgreich als Solokünstlerin fort und sang weiterhin auf Englisch, Hebräisch, Deutsch, Französisch und Ladino. Abi Ofarim gründete in München die Produktionsfirma Prom und machte sich in den folgenden Jahren einen Namen als Produzent, unter anderem für die Primaballerina Margot Werner; er starb am 4. Mai 2018. Trotz ihrer getrennten Wege blieben Esther und Abi Ofarim als das Duo, das in Deutschland seinen internationalen Siegeszug begann, bis heute unvergessen.

Im Bildband Heimatstars zählen Esther & Abi Ofarim zu den Ikonen, deren Porträts Ingeborg Bock-Schroeder über die Jahrzehnte festgehalten hat, die Gesichter eines Duos, das mit klarem Gesang, warmer Gitarrenbegleitung und internationalem Charme ein unverwechselbares Kapitel der europäischen Musikgeschichte der sechziger Jahre schrieb.

Quellen

Die biografischen Angaben in diesem Artikel stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand: Juli 2026).

HS
Redaktion Heimatstars
Collection Bock-Schroeder
Dieser Beitrag entstand im Rahmen des Heimatstars-Projekts, das die Porträtfotografien von Ingeborg Bock-Schroeder und die Geschichten der von ihr fotografierten Persönlichkeiten dokumentiert. Fragen oder Hinweise zu diesem Artikel? mail@heimatstars.de

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Buchcover Heimatstars von Ingeborg Bock-Schroeder