Curd Jürgens: Der „normannische Kleiderschrank" des Weltkinos
Vom Berliner Reporter über das Wiener Burgtheater bis zum James-Bond-Bösewicht, ein Porträt eines der wenigen deutschsprachigen Schauspieler, die wirklich internationalen Ruhm erlangten.
Curd Gustav Andreas Gottlieb Franz Jürgens wurde am 13. Dezember 1915 in Solln, dem heutigen München, geboren. Als Sohn des begüterten Hamburger Import-Export-Kaufmanns Kurt Jürgens, eines Hamburgers dänischer Herkunft, und der südfranzösischen Lehrerin Marie-Albertine, geborene Noir, aus Évian-les-Bains wuchs er zweisprachig in großbürgerlichen Verhältnissen auf, gemeinsam mit seinen beiden älteren Schwestern Jeanette und Marguerite. Geschäfte führten seinen Vater schließlich nach Berlin, wo Curd Jürgens seine Jugend im gehobenen Ortsteil Neu-Westend verbrachte, einer Zeit, der er in seiner Autobiografie breiten Raum widmete.
1925 zog er mit seiner Mutter endgültig nach Berlin und besuchte dort bis zum Abitur das Gymnasium, schon damals fasziniert von der Schauspielerei und begeistertes Mitglied der Theatergruppe seiner Schule. Mit siebzehn Jahren verunglückte er schwer, nach einer Quelle als Beifahrer bei einem Autounfall, nach einer anderen mit dem Motorrad; die Verletzungen veränderten nicht nur seine Berufspläne, sondern beraubten ihn nach eigenen späteren Angaben auch der Fähigkeit, leibliche Kinder zu zeugen. Zunächst begann er als Reporter bei einem Berliner Abendblatt; die Schauspielerin Lulu Basler, die ihn dort interviewte, riet ihm zu einer Schauspielausbildung bei Walter Janssen.
Vom Bühnendebüt zum Burgtheater
1935 erhielt Curd Jürgens sein erstes Bühnenengagement am Metropoltheater Dresden in der Operette „Ball der Nationen" und stand im selben Jahr für die große Kinoproduktion „Kaiserwalzer" erstmals als Kaiser Franz Joseph vor der Kamera, unter der Regie von Willi Forst. Trotz dieses Erfolges kehrte er zunächst als Theaterschauspieler ans Theater am Kurfürstendamm zurück, bevor ihn 1938 ein Engagement ans Wiener Volkstheater führte. 1941 gelang ihm durch Vermittlung der Schauspielerin Lizzy Waldmüller der Sprung ans Wiener Burgtheater, dessen Ensemble er zunächst bis 1953, dann von 1965 bis 1968 und erneut ab 1973 angehörte; sein dortiges Debüt gab er als Don Juan d'Austria in „Madame Kegels Geheimnis". In den letzten Kriegstagen musste 1944 sogar eine laufende Filmproduktion vorzeitig beendet werden, weil Jürgens kurzfristig doch noch zum Kriegsdienst eingezogen wurde.
1946, zu diesem Zeitpunkt bereits in Wien lebend und mit der Schauspielerin Judith Holzmeister verlobt, entschied sich Jürgens, die österreichische Staatsbürgerschaft anzunehmen, die er nach einem Telefonat des Burgtheaterdirektors mit Bundeskanzler Leopold Figl noch am selben Tag erhielt. Konkreter Anlass war, dass ihm als Deutschem von der sowjetischen Besatzungsmacht keine Reisegenehmigung für eine Burgtheater-Tournee in die Schweiz erteilt worden war, obwohl die Schauspielerin Käthe Dorsch nur mit ihm gemeinsam auftreten wollte.
Bühnendebüt in Dresden und Filmdebüt als Kaiser Franz Joseph in „Kaiserwalzer".
Aufnahme ins Ensemble des Wiener Burgtheaters.
Internationaler Durchbruch mit „Des Teufels General"; Goldener Löwe von San Marco bei der Biennale Venedig.
Erste Hollywood-Produktionen, unter anderem „Jakobowsky und der Oberst".
Rolle des Bond-Gegenspielers Karl Stromberg in „Der Spion, der mich liebte".
Curd Jürgens stirbt am 18. Juni in Wien im Alter von 66 Jahren.
Der Weg zum Weltstar
Nach seinem Abschied vom Burgtheater 1953 konzentrierte sich Curd Jürgens ganz auf seine bereits 1935 begonnene Filmkarriere. Über Produktionen wie „Verlorenes Rennen" (1948) und „Der letzte Walzer" (1953), bei dessen Dreharbeiten er die Schauspielerin Eva Bartok kennenlernte, gelang ihm 1955 mit „Des Teufels General" nach Carl Zuckmayer der endgültige internationale Durchbruch. Für seine Darstellung des General Harras wurde er bei der Biennale Venedig mit dem Filmpreis „Goldener Löwe von San Marco" ausgezeichnet, der Film selbst zählte zu den erfolgreichsten deutschen Produktionen seiner Zeit. Mit „Kurier des Zaren" wurde er wenig später in ganz Europa berühmt.
Als charmanter Charakterdarsteller, klassischer Liebhaber und „rauer Held" wirkte Jürgens fortan in zahlreichen internationalen Produktionen mit, darunter „Die Helden sind müde" (1955), „Und immer lockt das Weib" (1956), „Jakobowsky und der Oberst" (1958), „Der blaue Engel" (1959) und „Die Schachnovelle" (1960). 1977 spielte er als Karl Stromberg den Gegenspieler von James Bond in „Der Spion, der mich liebte", eine seiner international bekanntesten Rollen. In Frankreich, wo man ihn wegen seiner Größe, Statur und kühlen Ausstrahlung den „normannischen Kleiderschrank" nannte, ein Beiname, der ihm von Brigitte Bardot verliehen wurde, blieb er zeitlebens ein gern gesehener Gast, besonders während der Salzburger Festspiele, wo er als „Jedermann" brillierte.
Ein Leben, das weiterwirkt
Curd Jürgens war fünfmal verheiratet, unter anderem mit den Schauspielerinnen Judith Holzmeister ab 1947, Eva Bartok ab 1955 sowie mit dem Mannequin Simone Bicheron ab 1958; seine fünfte und letzte Ehe führte er ab 1978 mit Margit Schmitz. Politisch bekannte er sich zu Willy Brandt. In den siebziger Jahren rächte sich sein Lebensstil, geprägt von Genuss, Alkohol und Zigaretten: Er musste sich mehreren Herzoperationen unterziehen. Während der Dreharbeiten zu seiner letzten Rolle, einem karrierebesessenen Anwalt eines Ex-Nazi-Killers, starb Curd Jürgens am 18. Juni 1982 in Wien an multiplem Organversagen, im Alter von 66 Jahren. Er wurde auf dem Wiener Zentralfriedhof in einem Ehrengrab beigesetzt.
Im Bildband Heimatstars zählt Curd Jürgens zu den Ikonen, deren Porträts Ingeborg Bock-Schroeder über die Jahrzehnte festgehalten hat, das Gesicht eines Schauspielers, der wie kaum ein anderer deutschsprachiger Darsteller seiner Generation eine wirklich internationale Karriere zwischen Wien, Paris und Hollywood aufbaute.
Quellen
Die biografischen Angaben in diesem Artikel stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand: Juli 2026).
- DiskografieChartsurfer: Curd Jürgens, Biografie
- BiografieWho's Who: Curd Jürgens
- Biografiewas-war-wann.de: Curd Jürgens Biografie
- LexikonWien Geschichte Wiki: Curd Jürgens
- PorträtPrisma: Curd Jürgens
- Porträtsteffi-line.de: Curd Jürgens