Annette von Aretin: Die erste bayerische Fernsehansagerin

Von der freien Rundfunkmitarbeiterin der unmittelbaren Nachkriegszeit über die erste bayerische Fernsehansagerin bis zur vieljährigen Ikone der Rateshow „Was bin ich?": ein Porträt einer Frau, deren aristokratische Anmut und bodenständige Herzlichkeit ihr über drei Jahrzehnte einen festen Platz in deutschen Wohnzimmern sicherten.

Schwarz-Weiß-Porträt der Fernsehmoderatorin Anette von Aretin, die lächelnd auf einem Stuhl sitzt und ihre Hand sanft an die Wangenseite stützt.
Annette von Aretin, Porträtaufnahme © Sammlung Bock-Schroeder.

Annette von Aretin wurde am 23. Mai 1920 im oberfränkischen Bamberg geboren und auf den Namen Marie Adelheid Elisabeth Kunigunde Felicitas Freiin von Aretin getauft. Aufgewachsen mit zwei jüngeren Brüdern vor allem im niederbayerischen Münchsdorf, vermittelte ihr die dortige Jugend trotz ihrer adeligen Herkunft eine bleibende Bodenständigkeit. Als vielseitig begabte junge Frau absolvierte sie zunächst eine Ausbildung zur Fotografin und schrieb sich 1940 an der Münchner Musikhochschule für ein Geigenstudium ein.

Der Zweite Weltkrieg bereitete diesen Plänen jedoch ein Ende: Wie alle jungen Frauen ihrer Zeit musste sie kriegswichtigen Arbeitsdienst leisten und konnte an ihr Musikstudium später nicht mehr anknüpfen. Dank einer zufälligen Bekanntschaft begann sie 1947 als freie Mitarbeiterin bei einer Münchner Radiostation, aus der 1949 der Bayerische Rundfunk hervorging. Da das Radio in jener Zeit für viele Menschen die einzige Ablenkung vom tristen Nachkriegsalltag darstellte, setzten zahlreiche Sendungen auf heitere Unterhaltung; unter ihrem eigentlichen Vornamen Marie Adelheid übernahm sie dort eine humoristische Rolle namens „Ännchen von Kalau", aus der sie sich selbst den eingängigeren Künstlernamen Annette ableitete.

Die erste Stimme des bayerischen Fernsehens

1954 trat Annette von Aretin als erste Ansagerin des neu gegründeten Bayerischen Fernsehens ins Rampenlicht und wurde damit zu einer Pionierin des jungen westdeutschen Mediums. Über ihren Start als spätere Leiterin des Besetzungsbüros des Bayerischen Rundfunks erinnerte sie sich rückblickend selbst mit hintergründigem Humor daran, dass sie anfangs geschwommen sei „wie eine Weltmeisterin" und dank hilfsbereiter Kollegen doch immer wieder das rettende Ufer erreicht habe. Neben ihrer Arbeit als Ansagerin übernahm sie über viele Jahre hinweg genau diese verantwortungsvolle Position im Besetzungsbüro des Senders.

Bundesweite Bekanntheit erlangte Annette von Aretin jedoch vor allem durch ihre Mitgliedschaft im Rateteam der legendären Fernsehshow „Was bin ich?" unter der Moderation von Robert Lembke. Vom 11. Februar 1961 bis zum 10. Januar 1989, also fast dreißig Jahre lang, gehörte sie zum festen Stamm der Sendung und riet dort gemeinsam mit ihren Rateteam-Kollegen die Berufe der auftretenden Kandidatinnen und Kandidaten. Mit ihrer vornehmen, weltläufigen Erscheinung setzte sie in dieser Zeit eigene Trends in den deutschen Wohnzimmern und zählte über rund drei Jahrzehnte hinweg zu den beliebtesten Fernsehgesichtern des Landes.

1940

Einschreibung für ein Geigenstudium an der Münchner Musikhochschule.

1947

Beginn als freie Mitarbeiterin bei einer Münchner Radiostation, Vorläuferin des Bayerischen Rundfunks.

1954

Erste Ansagerin des neu gegründeten Bayerischen Fernsehens.

1956

Heirat mit Dr. Harald Klein.

1961–1989

Festes Mitglied des Rateteams in Robert Lembkes „Was bin ich?".

1983

Tod ihres Ehemanns Harald Klein.

2006

Annette von Aretin stirbt am 1. März im Alter von 85 Jahren in München.

Zwischen Rundfunk, Fernsehen und Familie

1956 heiratete Annette von Aretin Dr. Harald Klein, mit dem sie zwei Kinder bekam und bis zu dessen Tod 1983 verheiratet blieb. Als Nichte des Politikers und Schriftstellers Erwein Freiherr von Aretin und Cousine des Politikers Anton Freiherr von Aretin sowie des Historikers Karl Otmar Freiherr von Aretin entstammte sie einer traditionsreichen bayerischen Adelsfamilie, deren Namen sie durch ihre öffentliche Präsenz im Fernsehen einer breiten Bevölkerung bekannt machte. Über ihre Arbeit vor der Kamera hinaus trat sie zudem gelegentlich als Schauspielerin in Erscheinung, etwa in Produktionen wie „Grüezi, Herr Nachbar!" und „Zeitvertreib".

Am 1. März 2006 starb Annette von Aretin im Alter von 85 Jahren in München. Der Bayerische Rundfunk würdigte sie in einem Nachruf als eine der prägendsten Persönlichkeiten seiner frühen Sendergeschichte, deren charmante und weltläufige Ausstrahlung über Jahrzehnte hinweg das Bild des jungen deutschen Fernsehens mitgeprägt hatte.

Ein Leben, das weiterwirkt

Im Bildband Heimatstars zählt Annette von Aretin zu den Ikonen, deren Porträts Ingeborg Bock-Schroeder über die Jahrzehnte festgehalten hat, das Gesicht einer Frau, die mit aristokratischer Anmut und bodenständiger Herzlichkeit zugleich ein unverwechselbares Kapitel der frühen deutschen Rundfunk- und Fernsehgeschichte schrieb.

Quellen

Die biografischen Angaben in diesem Artikel stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand: Juli 2026).

HS
Redaktion Heimatstars
Collection Bock-Schroeder
Dieser Beitrag entstand im Rahmen des Heimatstars-Projekts, das die Porträtfotografien von Ingeborg Bock-Schroeder und die Geschichten der von ihr fotografierten Persönlichkeiten dokumentiert. Fragen oder Hinweise zu diesem Artikel? mail@heimatstars.de

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